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 Die Fragestellung der Neuntklässler vom Runge-Gymnasium Wolgast ist anspruchsvoll, schließlich wollen sie wissen: „Wie funktioniert unsere Stadt?“ Und darüber hinaus: „Ob eine Stadt überhaupt im Gleichgewicht sein kann“. Sie fächern die Fragen in geografische, biologische, chemische und physikalische Gesichtspunkte auf und bilden diesen Perspektiven entsprechend vier Arbeitsgruppen.
Die Jugendlichen dreier neunter Klassen arbeiten klassenübergreifend zusammen, angeleitet durch den virtuellen Lernraum SCHOLA-21. Für die Stadtforschung, die Reise ins Wunderland des Alltäglichen, ist ein Schuljahr angesetzt. Zwei Stunden aus dem wöchentlichen Wahlpflichtunterricht knappst das Gymnasium hierzu ab.
Ob Wolgast aus der Vogelperspektive, Wolgast und seine Umwelt, Wolgast und sein Wasser oder Wolgast und seine Kräfte – bei der gruppenübergreifenden Ideensammlung mit Hilfe der interaktiven Mind-Map-Methode klären die Schüler die groben Züge des Forschungsvorhabens und machen sich anschließend in den Arbeitsgruppen an den Feinschliff. Sie beschränken sich nicht auf Literatur zum Thema. Vielmehr gehen sie nach draußen, sprechen mit Fachleuten aus dem Stadtrat, Gesundheitsamt, Umweltamt, den Stadtwerken, der Müllabfuhr und einfach mit Menschen auf der Straße.
Die Forschungsergebnisse werfen ein Schlaglicht auf die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen in Deutschland, die sich im Kleinen widerspiegeln. So brachte die Geografie-AG in einem Interview mit einem ortsansässigen Arzt zutage, wie die Menschen aufgrund der Gesundheitsreform seltener den Arzt aufsuchen und sich selbst verarzten oder wie Menschen aufgrund der Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, auf Krankschreibung verzichten. Die Biologie-AG deckte bei der Befragung im Wolgaster Umweltamt auf, dass Ein-Euro-Jobber Umweltsündern auf die Fersen gesetzt werden. Warum keine Festangestellten? Manche Kommunen hängen am Tropf wie der Patient in der Klinik, erfuhren die Schülerinnen und Schüler.
Ihr Fazit: „Im Unterricht haben wir sonst nie wirklich Gelegenheit, um so nah an die Sache heranzugehen.“
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