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Eine literarische Brücke nach Afrika

Abb. 2
Die Begegnung mit dem schwarzen Kontinent, mit Afrika, kam für sie unerwartet. Angefangen hatte es mit der „Kreativen Medienwerkstatt“, die die 14 Grundschüler der Karl-Krull-Grundschule aus Greifswald zum Schreiben ermunterte. In der Medienwerkstatt treffen sich seit August 2005 wöchentlich Kinder aus zwei vierten Klassen, um dort „wie Reporter auf die Suche“ nach Schriftstellern wie Wolfgang Koeppen und Hans Fallada zu gehen.

Abb. 1Nachdem die Grundschüler sich im virtuellen Klassenraum von SCHOLA-21 eingerichtet haben, legen sie als erstes ihre „Reportertugenden“ fest, an die sie sich halten wollen: „Wundern, wundern, wundern“.

Getreu der journalistischen Tugend der Neugier suchen die Kinder zahlreiche Orte außerhalb des Klassenzimmers auf: die Stadtbibliothek, das Literaturzentrum, den Fallada-Verein, das Koeppen-Archiv und die namenlosen Orte mit Spuren der Autoren. Vorher haben sie mit der Mind-Map-Methode sieben Arbeitsgruppen gebildet und die Themen der neun Kurzgeschichten gefunden, die sie schreiben wollen. Besonderes Augenmerk setzen die Kinder darauf, ob Koeppen auch für Kinder geschrieben hat. Nachdem sie mit Hilfe des Koeppen-Archivs und des Internets den Lebenslauf der Schriftsteller rekonstruiert haben, werden sie bei Koeppen fündig.

Koeppen, der nach dem Zweiten Weltkrieg mehrfach Afrika besuchte, verfasste eine Kurzgeschichte. Sie handelt von einem Jungen, der in seinem Dorf vor der Kirche Stadtstreicher kennen lernt, die von Tanger in Afrika schwärmen. Er möchte Tanger lieber als „Vogelscheuche“ als in der Uniform des Afrikakorps bereisen - sein Vater war dort Soldat gewesen. Die Grundschüler aus Greifswald schreiben diese Geschichte nun weiter.

Abb. 3Die Kurzgeschichte von Tinas Afrikareise, frei von jeglichem Militarismus, ist besonders eindrücklich. Sie erzählt von einem jungen Paar, das von zu Hause ausreißt und sich schließlich gen Tanger einschifft. Angekommen: „Weiße Mauern umsäumten sie und jedes der strahlenden Häuser glich einem kleinen Palast“, schreibt die Schülerin. „Wenn Schönheit bezahlt würde, müsste diese Stadt die Reichste sein“, sinniert das Paar. So traumhaft für beide der Tag in Tanger war, so sehr wird die Nacht zum Alptraum. „Es war fast, als ob die Nacht einfach den Tag weggeschoben hätte und der Tag nie mehr zurückkommen wollte“. Afrika ist ein Kontinent der Kontraste – die Grundschüler entdeckten ihn auf der Fährte Wolfgang Koeppens, ihrer literarischen Brücke nach Tanger.

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